Ratgeber / VOB & Abrechnung
Aufmaß nach § 14 VOB/B: gemeinsam feststellen — und prüffähig abrechnen
Beim VOB-Vertrag haben Sie als Auftragnehmer einen echten Anspruch auf ein gemeinsames Aufmaß (§ 14 Abs. 2 VOB/B). Nutzen Sie ihn: Ohne gemeinsames Aufmaß müssen im Streit Sie jede Menge beweisen. Kommt der Auftraggeber trotz nachweisbarer Aufforderung nicht und lässt sich später nichts mehr nachmessen, kehrt sich die Beweislast um. Und: Die Unterschrift unter dem Aufmaß bindet nur die Maße — nicht die Vergütung und nicht die richtige LV-Position.
Worum es geht — der Klassiker aus der Praxis
Freitagnachmittag, der Leitungsgraben ist verfüllt, das Gerüst kommt nächste Woche weg. Drei Monate später prüft der Auftraggeber die Schlussrechnung und streicht: „Mengen nicht nachvollziehbar." Jetzt beginnt die Diskussion um Kubikmeter, die niemand mehr sehen kann — und um Quadratmeter Putz hinter der fertig gefliesten Wand.
Genau dafür gibt es das gemeinsame Aufmaß: Auftragnehmer und Auftraggeber stellen die ausgeführten Mengen zusammen fest, solange man sie noch sehen und messen kann. Wer das sauber macht, hat bei der Abrechnung Ruhe. Wer es verschiebt, verhandelt später über Erinnerungen — und verliert dabei regelmäßig Geld.
Ihr Anspruch: Der Auftraggeber muss mitwirken
§ 14 Abs. 2 VOB/B sagt: Die für die Abrechnung nötigen Feststellungen sind dem Leistungsfortgang entsprechend „möglichst gemeinsam" zu treffen. Aus dieser Regelung und der baurechtlichen Kooperationspflicht hat der BGH einen echten Anspruch des Auftragnehmers auf Mitwirkung am gemeinsamen Aufmaß abgeleitet (BGH, Urt. v. 22.05.2003 — VII ZR 143/02). Sie dürfen den Termin also verlangen — der Auftraggeber darf ihn nicht einfach aussitzen.
Zwei Dinge muss man dabei auseinanderhalten: Das gemeinsame Aufmaß ist keine Voraussetzung für Ihren Werklohn. Auch ohne gemeinsames Aufmaß wird die Forderung fällig, wenn Sie prüfbar abrechnen (BGH, Urt. v. 29.04.1999 — VII ZR 127/98). Aber: Sie tragen dann im Streit die volle Beweislast für Art und Umfang Ihrer Leistung. Das gemeinsame Aufmaß ist also kein Muss — es ist Ihre Versicherung.
Was die Unterschrift wirklich bindet — und was nicht
Hier herrscht auf beiden Seiten der Baustelle Halbwissen. Das gemeinsame Aufmaß ist rechtlich eine Verständigung über Tatsachen: Beide Seiten legen fest, welche Mengen der Abrechnung zugrunde liegen. Gebunden sind sie damit an die Maße und den festgestellten Leistungsumfang — mehr nicht.
Nicht gebunden ist der Auftraggeber an alles, was Rechtsfrage ist: ob die Leistung überhaupt zu vergüten ist, ob die richtige LV-Position angesetzt wurde, ob die VOB/C-Abrechnungsregeln korrekt angewendet sind oder ob eine Leistung doppelt abgerechnet wurde. Das hat das OLG Brandenburg zuletzt deutlich bestätigt: Einwände wie „schon von einer anderen Position umfasst" oder „vertragswidrig abgerechnet" sind durch das gemeinsame Aufmaß nicht abgeschnitten (OLG Brandenburg, Urt. v. 20.07.2023 — 10 U 14/23). Die Bindung nur an Tatsachen ist seit Jahrzehnten Linie der Rechtsprechung (grundlegend BGH, Urt. v. 30.01.1975 — VII ZR 206/73).
Umgekehrt gilt: An die festgestellten Maße ist der Auftraggeber gebunden. Davon kommt er nur herunter, wenn er eine nachweisbare Unrichtigkeit belegt — einen konkreten Mess- oder Übertragungsfehler. Bloßes Bestreiten reicht dann nicht mehr.
Beweislast: Die Grundregel — und die Umkehr bei Vereitelung
Die Grundregel ist unbequem, aber klar: Der Auftragnehmer beweist Art und Umfang seiner Leistung (VII ZR 127/98). Legen Sie nur ein einseitiges Aufmaß vor, genügt dem Auftraggeber ein einfaches erhebliches Bestreiten — er muss kein Gegenaufmaß vorlegen (BGH, Urt. v. 24.07.2003 — VII ZR 79/02).
Die Ausnahme ist Ihr schärfstes Werkzeug: Bleibt der Auftraggeber einem verlangten Aufmaßtermin unberechtigt fern und ist eine Nachprüfung der Mengen später nicht mehr möglich (verfüllt, verkleidet, abgebrochen), dann kehrt sich die Beweislast um: Jetzt muss der Auftraggeber beweisen, dass Ihre Mengen falsch sind (VII ZR 143/02; VII ZR 79/02). Beide Voraussetzungen müssen zusammenkommen — und die Aufforderung müssen Sie belegen können. Ohne nachweisbare Einladung keine Umkehr.
Und wenn das Kind schon im Brunnen liegt — nichts gemessen, alles zu? Dann bleibt die Rettung über Indizien: Fotos, Lieferscheine, Bautagebuch, Pläne. Ist ein exaktes Aufmaß objektiv unmöglich, darf das Gericht die Mengen auf dieser Grundlage schätzen (§ 287 ZPO); Sie müssen dafür alle verfügbaren Umstände vortragen (BGH, Urt. v. 17.06.2004 — VII ZR 337/02). Das ist ein Notnagel, kein Plan — Schätzungen fallen selten großzügig aus.
Verdeckte Leistungen: Vor dem Zumachen feststellen lassen
§ 14 Abs. 2 Satz 2 VOB/B enthält die Pflicht, die am häufigsten übersehen wird: Für Leistungen, die später nur schwer feststellbar sind, muss der Auftragnehmer rechtzeitig gemeinsame Feststellungen beantragen. Die Initiative liegt bei Ihnen — nicht beim Auftraggeber.
Das betrifft alles, was verschwindet: Erdarbeiten und Leitungsgräben vor dem Verfüllen, Abbruchmengen vor der Entsorgung, Bewehrung vor dem Betonieren, Untergrundvorbehandlung und Spachtelmassen vor dem Belag, Installationsebenen vor dem Beplanken. Wer hier ohne Feststellung zumacht, trägt das volle Beweisrisiko — und § 14 Abs. 4 VOB/B hilft nicht weiter: Der regelt nur, dass der Auftraggeber bei ausbleibender prüfbarer Rechnung diese auf Ihre Kosten selbst aufstellen kann. Ein „Ersatzaufmaß" zu Ihren Gunsten steht da nicht drin.
VOB/C: Übermessen, Abziehen — und die 2,5-m²-Regel
Gemessen wird beim VOB-Vertrag nicht nach Gefühl, sondern nach den Abrechnungsregeln der VOB/C (Abschnitt 5 der jeweiligen ATV) — sie sind über § 14 Abs. 2 VOB/B Vertragsinhalt. Das Grundprinzip: Kleine Öffnungen und Nischen werden übermessen (also mitgerechnet, obwohl dort keine Leistung ist), erst ab einer Grenzgröße wird abgezogen. Bekanntestes Beispiel ist die 2,5-m²-Regel: Bei vielen Gewerken — etwa Mauerarbeiten (DIN 18330), Trockenbau (DIN 18340), WDVS (DIN 18345), Putz und Maler — werden Öffnungen bis 2,5 m² Einzelgröße übermessen. Verschiedenartige zusammenhängende Aussparungen sind dabei einzeln zu betrachten.
Das ist kein Trick, sondern Kalkulationslogik: Die Laibungsarbeit an der Öffnung steckt pauschal im übermessenen Quadratmeter. Wer die Regeln nicht kennt, verschenkt Geld — oder kassiert Kürzungen, weil er falsch übermessen hat. Deshalb: Vor dem Aufmaßtermin den Abschnitt 5 der eigenen ATV lesen. Ähnlich wie bei der Frage, wie Baustahl richtig abgerechnet wird, entscheidet hier die Regelkenntnis über bares Geld.
Prüffähigkeit: Was die Abrechnung leisten muss — und was das Aufmaß dazu beiträgt
Das Aufmaß ist kein Selbstzweck, sondern der Nachweis innerhalb der Abrechnung. Den Maßstab setzt § 14 Abs. 1 VOB/B, und dieser Absatz ist praktisch schon die Checkliste:
- Die Leistungen sind prüfbar abzurechnen.
- Die Rechnung ist übersichtlich aufzustellen, dabei ist die Reihenfolge der Posten einzuhalten.
- Es sind die in den Vertragsbestandteilen enthaltenen Bezeichnungen zu verwenden — also die Positionsnummern und Texte des Leistungsverzeichnisses, nicht betriebsinterne Bezeichnungen.
- Die zum Nachweis von Art und Umfang der Leistung erforderlichen Mengenberechnungen, Zeichnungen und anderen Belege sind beizufügen — das ist die Stelle, an der das Aufmaß hineingehört.
- Änderungen und Ergänzungen des Vertrags sind besonders kenntlich zu machen und auf Verlangen getrennt abzurechnen.
Was ein prüffähiges Aufmaß konkret enthält
Die Prüfregel dahinter lautet: Jede abgerechnete Menge muss ohne Rückfrage bis zur Messung zurückverfolgbar sein. Wer das Blatt liest, muss erkennen können, wo gemessen wurde, wie gerechnet wurde und welche Position das betrifft — ohne die Baustelle zu kennen.
| Bestandteil | Was hineingehört | Warum die Prüfung sonst scheitert |
|---|---|---|
| Positionsbezug | LV-Nummer und die Bezeichnung aus dem Vertrag | Ohne Zuordnung lässt sich die Menge keiner Position und keinem Preis zuordnen |
| Ortsangabe | Bauteil, Geschoss, Achse, Raumnummer — so konkret, dass die Stelle wiederauffindbar ist | „Erdgeschoss, 240 m²" ist keine Mengenermittlung, sondern ein Ergebnis |
| Rechenansatz | die Formel mit Einzelmaßen (Länge × Breite, Stückzahlen, Abzüge), nicht nur die Endsumme | Nur der Ansatz ist nachrechenbar; eine Endzahl kann man nur glauben oder bestreiten |
| Abzüge und Übermessungen | angewandt nach den Abrechnungsregeln der jeweiligen ATV und im Ansatz sichtbar gemacht | Die häufigste inhaltliche Beanstandung überhaupt — siehe die Regeln weiter oben |
| Grundlage bei Planaufmaß | Planbezeichnung, Index und Datum des verwendeten Plans | Ohne Planstand ist nicht prüfbar, ob nach dem gültigen Stand gerechnet wurde |
| Skizze | bei unregelmäßiger Geometrie, mit eingetragenen Maßen | Verzogene Grundrisse und Schrägen lassen sich in Textform nicht nachvollziehen |
| Datum und Beteiligte | Aufmaßdatum, Namen, bei gemeinsamer Feststellung beide Unterschriften | Entscheidet später, wer was wann bestätigt hat |
| Verdeckte Leistungen | gesondert, mit Datum der Feststellung und Verweis auf Fotos oder Protokoll | Nach dem Schließen ist die Menge nicht mehr überprüfbar |
| Nachträge | getrennt von den Vertragsleistungen, mit Bezug auf Nachtragsnummer und Beauftragung | § 14 Abs. 1 verlangt die besondere Kenntlichmachung ausdrücklich |
„Nicht prüffähig" und „falsch" sind zwei verschiedene Einwände
Die Unterscheidung entscheidet über Fälligkeit und Fristen — und wird regelmäßig vermischt:
| Rechnung nicht prüffähig | Rechnung prüffähig, aber inhaltlich bestritten | |
|---|---|---|
| Folge | Die Vergütung wird nicht fällig; die Zahlungsfrist läuft nicht an | Die Vergütung wird fällig; gekürzt wird nur, soweit begründet |
| Was der Auftraggeber tun muss | Den Einwand innerhalb der Frist des § 16 Abs. 3 Nr. 1 VOB/B erheben und dabei konkret benennen, was fehlt | Die Kürzung nachvollziehbar begründen und die Grundlage angeben |
| Was der Auftragnehmer tun sollte | Fehlende Unterlagen zügig nachreichen — die Frist beginnt erst mit der prüffähigen Fassung | Die beanstandeten Ansätze belegen, nicht die gesamte Rechnung neu aufstellen |
§ 14 Abs. 4: Wer darf was auf wessen Kosten aufstellen?
Hier lohnt der genaue Blick, weil die Vorschrift oft verkürzt wiedergegeben wird. § 14 Abs. 4 VOB/B lautet: „Reicht der Auftragnehmer eine prüfbare Rechnung nicht ein, obwohl ihm der Auftraggeber dafür eine angemessene Frist gesetzt hat, so kann sie der Auftraggeber selbst auf Kosten des Auftragnehmers aufstellen."
- Auslöser ist die fehlende prüfbare Rechnung — nicht ein fehlendes Aufmaß für sich. Praktisch schließt das Aufstellen die Mengenermittlung ein, aber der Anknüpfungspunkt ist die Abrechnung.
- Voraussetzung ist eine vorher gesetzte angemessene Frist. Ohne Fristsetzung trägt der Auftraggeber die Kosten selbst.
- Die Kosten müssen erforderlich und nachgewiesen sein — es handelt sich um eine Gegenforderung, nicht um eine Pauschale.
- Für den Auftragnehmer ist das teuer und ungünstig zugleich: Die Mengen werden dann ohne ihn ermittelt, und er trägt im Streit die Beweislast für eine abweichende Menge.
Das ist einer der wenigen Fälle, in denen ein Abzug ohne Schadensnachweis trägt — er hängt aber vollständig an der vorherigen Fristsetzung. Was sonst abgezogen werden darf →
So läuft das gemeinsame Aufmaß richtig ab
- Laufend messen, nicht am Ende: „dem Leistungsfortgang entsprechend" — abschnittsweise, spätestens vor jedem Verdecken.
- Schriftlich einladen: Ort, Datum, Uhrzeit, betroffene Positionen, angemessene Frist (etwa eine Woche; bei drohender Verdeckung kürzer, mit Begründung). Zugang beweisbar — das ist später der Hebel für die Beweislastumkehr.
- Nichterscheinen dokumentieren: Vermerk „Auftraggeber trotz Aufforderung vom … nicht erschienen", Fotos vom Zustand, dann sofort einseitig aufmessen und das Aufmaß unverzüglich mit Stellungnahmefrist übersenden.
- Sauber dokumentieren: nummerierte Aufmaßblätter mit Position, Ort/Achse/Raum, Einzelmaßen, Rechenweg und Skizze; Fotos mit Zollstock im Bild und Datum. Laser- und 3D-Aufmaße sind zulässig — Rohdaten sichern.
- Unterschrift qualifizieren: Der Auftraggeber darf zusetzen „nur der Richtigkeit der Maße nach anerkannt" — das stellt klar, was ohnehin gilt: bestätigt sind die Zahlen, nicht die Vergütung. Lassen Sie sich davon nicht irritieren, und vermischen Sie umgekehrt das Aufmaß nicht mit Anerkenntnissen: Für Nachträge und Stundenlohnarbeiten gehören eigene Belege her (siehe Nachträge nach VOB und Stundenlohnarbeiten — dort gilt das Parallelproblem der Stundenzettel).
- Vollmachten kennen: Der bauleitende Architekt ist regelmäßig bevollmächtigt, tatsächliche und technische Feststellungen zu treffen — ein gemeinsames Aufmaß mit ihm bindet den Auftraggeber an die Maße. Rechtsgeschäftliche Erklärungen (Nachtragsanerkenntnis, Zahlungszusage) deckt seine Vollmacht dagegen nicht. Spiegelbildlich beim eigenen Polier: Maße bestätigen ja, auf Forderungen verzichten nein.
Die häufigsten Fehler
- Kein Aufmaß vor der Verdeckung — Erdarbeiten, Abbruch, Bewehrung, Leitungsgräben: einmal zu, für immer streitig.
- Einladung nicht beweisbar — ohne nachweisbare Aufforderung und dokumentiertes Nichterscheinen gibt es keine Beweislastumkehr.
- Prüfvermerk mit Anerkenntnis verwechselt — „abgezeichnet" heißt nicht „anerkannt".
- Aufmaß und Anerkenntnis vermischt — Mengen sind Tatsachen; Vergütungsfragen laufen getrennt.
- VOB/C ignoriert — falsches Übermessen kostet in beide Richtungen.
- Schlussrechnung ohne Mengennachweise — § 14 Abs. 1 VOB/B verlangt Mengenberechnungen, Zeichnungen und Belege; sonst droht der Streit um die Prüfbarkeit.
- Zu spät gemessen — nach Gerüstabbau oder Fertigstellung durch Dritte ist Nachmessen unmöglich, dann zählt nur noch die Beweislage.
Aufmaß, Zustandsfeststellung, Abnahme — was ist was?
Drei Termine, die auf der Baustelle gern in einen Topf geworfen werden — und rechtlich völlig verschiedene Dinge tun:
| Gemeinsames Aufmaß | Zustandsfeststellung | Abnahme | |
|---|---|---|---|
| Zweck | Mengen festhalten als Grundlage der Abrechnung | Zustand und Mängel dokumentieren, wenn die Abnahme unter Angabe von Mängeln verweigert wird | Billigung des Werks als im Wesentlichen vertragsgerecht |
| Rechtsfolge | Tatsächliche Bindung an die festgestellten Maße; Vergütungs- und Positionsfragen bleiben offen | Bei nicht angegebenem offenkundigem Mangel: Vermutung, dass er erst danach entstand und vom Besteller zu vertreten ist (Abs. 3); bleibt der Besteller fern, genügt die einseitige Feststellung (Abs. 2) | Fälligkeit der Vergütung, Gefahrübergang, Beweislastwechsel für Mängel, Start der Verjährung |
| Norm | § 14 Abs. 2 VOB/B | § 650g Abs. 1–3 BGB | § 640 BGB / § 12 VOB/B |
Das Aufmaß ersetzt die Abnahme nicht — und umgekehrt. Und die Zustandsfeststellung des BGB ist kein Mengen-Aufmaß: Im reinen BGB-Vertrag gibt es ein Aufmaßverfahren nur, wenn es vereinbart wurde; sonst gelten die allgemeinen Beweisregeln.
Weiterlesen im Ratgeber: Abschlagsrechnung nach VOB: die teuersten Irrtümer → · Insolvenz am Bau →
[Ihr Briefkopf] [Auftraggeber – Firma, Name, Anschrift] — vorab per E‑Mail an [E‑Mail] — [Ort], [Datum] Bauvorhaben: [Bezeichnung, Bauteil/Abschnitt] Auftrag vom [Datum], Auftrags‑Nr. [Nr.] Aufforderung zum gemeinsamen Aufmaß nach § 14 Abs. 2 VOB/B Sehr geehrte Damen und Herren, die nachstehenden Leistungen sind fertiggestellt. Wir bitten Sie, das Aufmaß gemeinsam mit uns zu nehmen. 1. Gegenstand [Welche Leistungen/Positionen sollen aufgemessen werden? Bauteil, Geschoss, Achsen, LV‑Positionen.] 2. Terminvorschlag [Wochentag], [Datum], [Uhrzeit] Uhr, Treffpunkt [Ort auf der Baustelle]. Sollte Ihnen der Termin nicht passen, schlagen Sie bitte bis zum [Datum] einen Termin innerhalb der folgenden Woche vor. 3. Besonderer Hinweis auf Leistungen, die verdeckt werden [Falls zutreffend:] Die Leistungen [Bezeichnung] werden durch die nachfolgenden Arbeiten unzugänglich. Wir bitten um Feststellung vor dem Schließen, spätestens am [Datum]. 4. Wenn kein Termin zustande kommt Nehmen Sie den Termin nicht wahr und schlagen auch keinen anderen vor, werden wir das Aufmaß einseitig nehmen, es Ihnen unverzüglich übersenden und der Abrechnung zugrunde legen. Mit freundlichen Grüßen [Name, Funktion] Anlagen: [Aufmaßskizze, Planauszug, Fotos]
Muster zur eigenen Verwendung, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
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Wann ist eine Rechnung prüffähig?
Wenn sie übersichtlich aufgestellt ist, die Reihenfolge der Posten einhält, die Bezeichnungen aus den Vertragsbestandteilen verwendet und die zum Nachweis von Art und Umfang erforderlichen Mengenberechnungen, Zeichnungen und Belege enthält (§ 14 Abs. 1 VOB/B). Änderungen und Ergänzungen sind besonders kenntlich zu machen.
Gibt es dafür einen festen Maßstab?
Nein. Die Prüffähigkeit ist kein Selbstzweck; welche Aufschlüsselung nötig ist, richtet sich nach den Informations- und Kontrollinteressen des Auftraggebers und dessen Kenntnissen (BGH VII ZR 296/97). Wer die Rechnung bereits geprüft hat, kann sich auf fehlende Prüffähigkeit nicht mehr berufen.
Was gehört in ein prüffähiges Aufmaß?
Positionsbezug mit LV-Nummer, Ortsangabe bis zum Bauteil, der Rechenansatz mit Einzelmaßen statt nur der Endsumme, sichtbare Abzüge nach den Abrechnungsregeln, bei Planaufmaß Planbezeichnung mit Index und Datum, Skizzen bei unregelmäßiger Geometrie, Datum und Beteiligte sowie getrennte Ausweisung von Nachträgen.
Reicht es, die fertige Menge anzugeben?
Nein. Eine Endzahl ist ein Ergebnis, kein Nachweis. Prüfbar wird die Menge erst durch den Rechenansatz, aus dem sich die Einzelmaße und Abzüge nachvollziehen lassen.
Was ist der Unterschied zwischen „nicht prüffähig" und „falsch"?
Eine nicht prüffähige Rechnung wird nicht fällig — die Zahlungsfrist läuft nicht an, und der Einwand ist fristgebunden und konkret zu benennen. Eine prüffähige, aber inhaltlich bestrittene Rechnung wird fällig; gekürzt wird nur, soweit die Kürzung begründet ist.
Darf der Auftraggeber das Aufmaß auf Kosten des Auftragnehmers erstellen?
§ 14 Abs. 4 VOB/B knüpft an die fehlende prüfbare Rechnung an: Reicht der Auftragnehmer sie trotz gesetzter angemessener Frist nicht ein, darf der Auftraggeber sie selbst auf dessen Kosten aufstellen — was die Mengenermittlung praktisch einschließt. Ohne vorherige Fristsetzung trägt der Auftraggeber die Kosten selbst.
Muss der Auftraggeber zum Aufmaßtermin erscheinen?
Er muss mitwirken: Aus § 14 Abs. 2 VOB/B und der Kooperationspflicht folgt ein echter Anspruch des Auftragnehmers auf das gemeinsame Aufmaß (BGH VII ZR 143/02). Bleibt er einem verlangten Termin unberechtigt fern, drohen ihm handfeste Beweisnachteile.
Bekomme ich ohne gemeinsames Aufmaß keinen Werklohn?
Doch — das gemeinsame Aufmaß ist keine Fälligkeitsvoraussetzung (BGH VII ZR 127/98). Aber Sie tragen dann im Streit die volle Beweislast für Art und Umfang Ihrer Leistung. Es geht nicht um das Ob des Werklohns, sondern um Ihre Position im Streitfall.
Was tun, wenn der Auftraggeber nicht erscheint?
Nichterscheinen schriftlich vermerken, Zustand fotografieren, sofort einseitig aufmessen und das Aufmaß unverzüglich mit Stellungnahmefrist übersenden. Ist eine Nachprüfung später nicht mehr möglich, kehrt sich die Beweislast zu Ihren Gunsten um — vorausgesetzt, die Einladung ist beweisbar.
Der Bauleiter hat mein Aufmaß abgezeichnet — kann der Auftraggeber trotzdem kürzen?
Ja. Der Prüfvermerk auf einem einseitigen Aufmaß ist kein Anerkenntnis; der Auftraggeber darf die Mengen bestreiten (OLG Dresden 1 U 601/17). Ist eine Nachprüfung aber unmöglich geworden, trägt er dafür die Beweislast. Beim echten gemeinsamen Aufmaß ist er an die Maße gebunden, außer er weist einen konkreten Fehler nach.
Bindet das gemeinsame Aufmaß auch bei falscher LV-Position oder Doppelabrechnung?
Nein. Gebunden sind beide Seiten nur an die Tatsachen — die Maße und den Leistungsumfang. Einwände wie „gehört zu einer anderen Position" oder „doppelt abgerechnet" bleiben dem Auftraggeber erhalten (OLG Brandenburg 10 U 14/23).
Wie sichere ich Leistungen, die später nicht mehr sichtbar sind?
Vor dem Verdecken eine gemeinsame Feststellung beantragen — das verlangt § 14 Abs. 2 Satz 2 VOB/B ausdrücklich vom Auftragnehmer. Wer ohne Feststellung verfüllt oder beplankt, trägt das volle Beweisrisiko; dann retten nur noch Indizien wie Fotos und Lieferscheine über eine gerichtliche Schätzung (BGH VII ZR 337/02).
Darf der Architekt das Aufmaß verbindlich unterschreiben?
Für tatsächliche und technische Feststellungen ist der bauleitende Architekt regelmäßig bevollmächtigt — ein gemeinsames Aufmaß mit ihm bindet den Auftraggeber an die Maße. Rechtsgeschäftliche Erklärungen wie Nachtragsanerkenntnisse oder Zahlungszusagen deckt seine Vollmacht nicht.
Wie lange kann der Auftraggeber die Prüfbarkeit der Schlussrechnung rügen?
Beim VOB-Vertrag muss er begründete Einwendungen gegen die Prüfbarkeit innerhalb der Frist des § 16 Abs. 3 Nr. 1 VOB/B erheben — 30 Tage, bei ausdrücklicher Vereinbarung höchstens 60. Danach ist er damit ausgeschlossen. Beim BGB-Vertrag gilt die Rechnung als prüffähig, wenn der Besteller nicht binnen 30 Tagen begründete Einwendungen erhebt (§ 650g Abs. 4 BGB). Eine pauschale Rüge reicht in beiden Fällen nicht.
Dieser Beitrag gibt den Stand von Juli 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Zitierte Entscheidungen: BGH VII ZR 127/98; BGH VII ZR 143/02; BGH VII ZR 79/02; BGH VII ZR 337/02; BGH VII ZR 288/02; BGH VII ZR 173/03; BGH VII ZR 206/73; OLG Brandenburg 10 U 14/23; OLG Dresden 1 U 601/17; OLG Köln 7 U 128/20. Zur Prüffähigkeit zitiert: BGH, Urt. v. 08.10.1998 — VII ZR 296/97 (Prüffähigkeit kein Selbstzweck; Maßstab sind die Informations- und Kontrollinteressen des Auftraggebers). Rechtsgrundlage der Abrechnung: § 14 VOB/B, insbesondere Abs. 1 und Abs. 4.